Basics

Grundlagen des kontextuellen Bauens

An das Ganze denken

 

Einheit in der Vielfalt und Vielfalt in der Einheit: Das ist das Grundrezept für den gelungenen Städtebau und attraktive Stadtbilder. Jeder Bauherr und jeder Planer hat es in der Hand nur das eigene Projekt zu gestalten oder auch den Kontext im Blick zu behalten und den Entwurf auf Formvorgaben und lokale Besonderheiten abzustimmen. In den langsam gewachsenen Altstädten hat dies zu einem attraktiven Wechselspiel zwischen einem typischen Baustil und interessanten Modulationen geführt.

(-> mehr)

(Hintergrund Panoramabild)

(Vgl. auch Musikwelt -> Link)

 

Typus & Topos

 

Hierin liegt der entscheidende Unterschied in der architektonischen Formfindung und der Wesenskern in der Arbeit eines Architektenteams wie des Studios Di Monaco, das den Ort – den Topos – in den Mittelpunkt seiner Gestaltung stellt:

 

Topos: Der architektonische Entwurf entwickelt sich aus dem Ort, das natürliche oder gebaute Umfeld wird berücksichtigt, der Konsens mit der Nachbarschaft wird gesucht, Harmonie ist das Ziel und ein ansprechendes Stadtbild das Ergebnis. Kontextuelles Entwerfen ist über die Baugeschichte hinweg die dominierende Entwurfsmethode. Historische Stadtbilder aber auch gelungene Skylines der Neuzeit zeugen davon.

 

Typus: Für eine Funktion wird ein Gebäudetyp massgeschneidert (z.B. Sozialwohnungsbau, Schulbau, Verwaltungsgebäude), der Bau soll effizient funktionieren, ohne Ansicht des Ortes, mit nachrangiger Bedeutung der Bau- und Stadtgestaltung – im Industriezeitalter dominierende Entwurfsmethode, Funktionalismus.

(-> mehr)

 

Minore & Majore

 

In der italienischen Architekturtheorie ist das Begriffspaar ‚architectura majore und architectura minore’ gebräuchlich:

Architectura Minore steht für den Grossteil der privaten Baukunst, die Strassenzüge aus einheitlicher Form und vielfältiger Detailgestaltung, den dezenten Hintergrund des attraktiven Stadtbildes.

Architectura Majore bezeichneten den dominierenden öffentlichen Bau (Rathaus, Kirche, Hospital), der schon in der Grossform einen eigenen Ausdruck sucht.

Während in der Minore der Kontext die Gestaltsfindung dominiert, kann die Majore auch stärker dem Typus folgen ohne das Stadtbild zu gefährden.

(-> mehr)

 

Figur und Grund

 

Gestaltung ist die Gliederung einer Grossform. Ein Baukörper wird durch den Umriss begrenzt und von den Fassaden eingefasst. Der Umriss ist die Figur vor dem Hintergrund der Stadtsilhouette, die Öffnungen und Profilierungen sind die Figuren auf dem Hintergrund der Fassaden. Die gelungene, ausgewogene und spannende Verteilung von Figuren auf dem Grund wird als schön wahrgenommen. Gebäude mit Lochfassaden tun sich leichter mit der Anwendung von Figur und Grund, ebenfalls Gebäude mit vielfältiger Dachform. Aber auch die Skyline eines Hochhausensembles und mit Medien animierte Fassaden in belebten Strassen kann ein attraktives Gesamtbild formen.

 

Historische Dimensionen

 

Entwicklung in Zeitspannen:

Städte sind zumeist über mehrere Generationen entstanden und ihr ‚Stadt-Bild’ wurde somit in einem längeren, nachdenklichen Prozess mit vielen Beteiligten behutsam ‚gemalt’. "Das Beste in der Stadtbaukunst ist nie erfunden worden, sondern fast immer gefunden, also aus schon vorhandenen, aber versteckten Anlagen entwickelt worden" Dies ist ein Grund für die Qualität der historischen Städte: "Kein Platz der Welt ist in wenigen Jahren entstanden, die besten brauchten viele Jahrzehnte. Der wohl schönste Platz der Welt, der Markusplatz in Venedig, hat viele Hundert Jahre gebraucht" (S. Braunfels).

 

Wahrung der materiellen Erinnerung:

Dort wo durch Katastrophen (Kriege, Erdbeben) das Stadtbild geschädigt wurde ist es legitim die verlorenen Kunstwerke wieder aufleben zu lassen und so die ursprüngliche Qualität zu sichern. Dies muss nicht immer in absoluter Genauigkeit erfolgen sondern kann das bewährte Thema auch modifizieren und räumlich rearrangieren.

 

Häuser die in den Dialog treten

 

Gebäude können in den Dialog mit dem Betrachter treten. Dies lässt sich am Beispiel des Gesprächs am besten erläutern: der Inhalt des Gesagten wird zum Einen aus dem eigenen Denkgebäude und zum Anderen aus der Reaktion des Gegenüber resultieren. Im Erfolgsfall liest der Betrachter aus der Art und Nutzung des Gebäudes, historischen Erinnerungen und originellen Gestaltsideen eine Aussage ab. Diese verbindet sich mit vor Ort persönlich Erlebten, eventuell sogar mit den Nutzern des Gebäudes. Gebäude und Umgebung, Gebäude und Betrachter, Betrachter und Umgebung schaffen zusammen den Topos, den besonderen, unverwechselbaren und erinnerungsgeladenen Ort. Der Ort der im Idealfall nicht nur für den Zeitgenossen, sondern auch für künftige Nutzer eine Bedeutung erlangt und schützenswert wird.

(-> s.a. Prof. Valena, Bauwelt 5/1998 – Walter Benjamin)

 

 

 

 

Die Parzelle als Garant attraktiver Städte

 

"Wenn wir die Stadt beleben und als eine Stadt der Bürger, der selbstbewussten Bürger, sehen wollen hat die Parzelle eine maßgebliche Bedeutung. Es zeigt sich ja schon in Teilen, dass die Bürger einen Anspruch auf ihre Stadt artikulieren und sie nicht nur den Investoren und dem vagabundierendem Weltkapital überlassen wollen" (-> Interview mit Staatssekr. Ulla Luther)

 

"Grundelement des Entwurfs schöner städtischer Räume ist das städtische Wohn- und Geschäftshaus. Es ist eines der kleinsten Elemente, ein Stadtbaustein, mit dem städtischer Raum gebildet wird." (Prof. Mäckler)

 

Die Ausrichtung des Grundrisses zur Straße

 

„Die Außenwände des Wohnraumes sind die Innenwände des öffentlichen Stadtraumes“, definiert der Wiener Architekt und Stadtplaner Georg Franck treffend – die Fassaden der Wohn- und Geschäftshäuser formen die Straßen- und Platzräume. Folgerichtig muss sich die Grundform des Einzelhauses der Grundform der Straße und des Platzes unterordnen und nicht einfach nur, wie heute üblich, der einfachen Rechteckform folgen. .."

"Die Fassade ist bestimmend für die Anteilnahme der Bewohner am städtischen Straßenleben. Der Grundriss eines Wohnhauses, an dessen Straßenfassade aus vermeintlich funktionalen Gründen ausschließlich Treppenhäuser, Bäder und Küchen gelegt sind, weil man glaubt, alle Wohnräume zur Sonne ausrichten zu müssen, verschließt sich der Straße. Das Haus wendet der Straße den Rücken zu. Die Schönheit der Fassade im städtischen Straßenraum wird also erst einmal durch die Grundrissorganisation des Hauses bestimmt. Die Stadthäuser Amsterdams, deren Wohnräume am Abend den öffentlichen Raum wie eine Theaterkulisse beleben, sind vielleicht das beste Beispiel, um das Verhältnis der Funktion von Wohnhausgrundrissen und ihren Einfluss auf den Straßenraum zu erläutern.

 

Voraussetzung für eine räumlich gefasste Straße ist die Orientierung der Hausfassaden, ihrer „Straßenfenster“ und Hauseingänge in den städtischen Raum. Aus dieser Orientierung, der Materialität, Farbigkeit und Proportion der Hausfassaden, wird die Schönheit des Straßenraumes entwickelt. Architektonisch kam der Hausfassade, auch als Straßenfassade bezeichnet, zu allen Zeiten eine besondere Bedeutung zu, weil sie das Haus für seinen Besitzer in den öffentlichen Raum hinein repräsentierte. Dies hat sich erst mit der Moderne verändert."

 

(Quelle Prof. Mäckler 01.09.2016)